Handel & Handwerk

Abendmahlskelch

15. Jh. | Silber, vergoldet

Wein für alle

Der Abendmahlskelch wurde im 15. Jahrhundert, vor der Reformation, aus vergoldetem Silber hergestellt. Der Tradition der katholischen Marienverehrung folgend, wurde mit schwarzen Lettern der Name Marias in die Silberfelder des Schaftes eingelegt. Auf der Unterseite des Fußes erinnert eine Gravur an die spätere Stiftung des Kelches im Jahr 1582. Ludwig IV. verschenkte ihn damals an die Marburger Hospitäler.

Die Frage nach der leibhaftigen Anwesenheit Christi während des Abendmahls war eine der wichtigsten Uneinigkeiten zwischen den Reformatoren Luther und Zwingli, die während des Marburger Religionsgesprächs von 1529 aufgeklärt werden sollte. Die Teilnehmer – neben den Reformatoren selbst wohl hauptsächlich Professoren der neugegründeten Universität – konnten sich jedoch, trotz zahlreicher Übereinkünfte zu anderen Themen, nicht auf ein gemeinsames Verständnis der Eucharistie einigen. Deshalb fanden sie einen Kompromiss: die Gemeinde empfing zum Abendmahl Brot und Wein – im Gegensatz zur katholischen Praxis, bei der nur der Priester Wein trank. Abendmahlskelche wie dieser wurden also auch nach der Reformation weiterhin verwendet; auch wenn die Elemente der Marienverehrung nicht mehr ganz dem – reformierten – Geist der Zeit entsprachen. (LP)